Therapien für Kinder

Die Entwicklung der Sprache und der auditiven Wahrnehmung sind für Kinder in ihrem täglichen Umfeld enorm wichtig. Hilfestellung leisten wir u. a. bei folgenden, in der logopädischen Praxis häufig anzutreffenden Störungsbildern:

Aussprachestörungen / Dyslalie

Unter einer Dyslalie / Aussprachestörung / Artikulationsstörung / phonetisch–phonologische Störung versteht man, wenn Laute  oder Lautgruppen nicht altersentsprechend (richtig) gebildet werden oder die Lautverwendung fehlerhaft ist (z. B. statt / statt / statt ).

Kindliche Stimmstörungen

Bei Kindern zeigt sich eine kindliche funktionelle Dysphonie häufig in einer angestrengten, gepressten oder heiseren Stimme. Die Ursachen sind multifaktoriell und komplex und können beispielsweise in motorischen, kommunikativen, sozialen oder emotionalen Problemen begründet sein.

Eine kindliche Stimmstörung sollte so früh wie möglich behandelt werden, da bei einer Überbeanspruchung des Kehlkopfes es zu Schleimhautveränderungen führen kann (z. B. Heiserkeit, Schreiknötchen).

Lippen-Kiefer-Gaumen-Segel-Fehlbildung / Angeborene Fehlbildung im Gesichtsbereich

Lippen-Kiefer-Gaumen-Segel-Fehlbildungen («Spalten») sind eine Sonderform der Rhinophonie. Sie entstehen zwischen der 5. und 12. Schwangerschaftswoche. Jede Spaltform wird von Fehlbildungen an Gewebe, Muskeln oder Knochen begleitet.

Die Primärfunktionen wie Atmen, Saugen, Kauen und Schlucken sind bei Kindern mit einer LKGS- Fehlbildung meist schon von der Geburt an beeinträchtigt.

Myofunktionelle Störungen

Unter einer myofunktionellen Störung versteht man ein muskuläres Ungleichgewicht der Gesichtsmuskulatur (<Trianguläres Kräftefeld> von Lippen-, Zungen- und Wangenmuskulatur). Eine Störung dieser Art geht häufig mit einer Zahn- und/oder  Kieferfehlstellung, einer fehlerhaften Zungenruhelage oder einem nicht physiologischen Schluckmuster einher.

Sprachentwicklungsstörungen (SES)

Als Sprachentwicklungsstörung bezeichnet man eine nicht altersgemäße Sprachentwicklung des Kindes. Diese zeigt sich vor allem im Vor- und Grundschulalter.

Dabei unterscheidet man:

  • Spezifische Sprachentwicklungsstörungen (SSES), auch primäre Sprachstörungen genannt, beziehen sich nur auf die sprachlichen Fähigkeiten. Alle anderen Fähigkeiten sind dagegen altersgemäß entwickelt.

  • Sprachentwicklungsstörungen (SES), auch sekundäre Sprachstörungen genannt, treten in Verbindung mit weiteren Entwicklungsstörungen auf, z.B. im Rahmen von genetischen Syndromen oder neurologischen Erkrankungen.

Die nachfolgend aufgeführten Symptome können bei Sprachentwicklungsstörungen je nach Ausprägung sowohl einzeln als auch kombiniert auftreten:

Phonetisch-phonologische Störungen (Dyslalie)

Semantisch-lexikalische Störungen

Die Wortschatzbildung (aktiv) sowie das Wortverständnis (passiv) sind nicht altersgerecht.

Syntaktisch-morphologische Störungen (Dysgrammatismus)

Es liegt eine unvollständige oder fehlerhafte Anwendung der Grammatik vor. Das Kind hat Schwierigkeiten in der Artikel-, Plural- und Satzbildung etc. (z.B. «das Schrank grün ist»).

Pragmatisch-kommunikative Störungen

Das Erzählen von erlebten Dingen und Situationen sowie die Wiedergabe / Beschreibung von Bildergeschichten ist nicht verständlich. Das Umfeld (Eltern, Geschwister, Freunde, Erzieher, Lehrer etc.) kann nicht ohne weiteres nachvollziehen, was das Kind meint.
Der pragmatisch-kommunikative Bereich des Spracherwerbs umfasst die komplette Anwendung sprachlicher und nicht-sprachlicher Kenntnisse (Mimik / Gestik), d.h. die Kommunikation.

Rezeptive Störungen

Störungen des Sprachverständnisses, Wörter, Sätze oder kleine Aufträge werden nicht verstanden.

Störungen der auditiven Wahrnehmung

Hierbei handelt es sich um Störungen der zentralen Hörfunktionen. Bei zentral-auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen (ZAVWS) ist die Weiterleitung und Verarbeitung von gehörten Informationen (sprachliche und nicht-sprachliche Reize) im Hörnerv und Gehirn beeinträchtigt. Das periphere (äußerliche) Hören, d.h. die Wahrnehmung von Geräuschen über die Ohren, ist in diesem Fall nicht betroffen.

Eine ZAVWS ist ein differenziertes Störungsbild, das auf Defiziten in unterschiedlichen Teilbereichen beruht.

Störungen der Sprache bei hochgradiger Schwerhörigkeit oder Taubheit

Störungen in Form von gestörter bzw. fehlender lautsprachlicher Kommunikation, z. B. bei Versorgung mit einem Cochlearimplantat.

Störungen der Sprache im Rahmen von Mehrfachbehinderungen

Bei Störungen der Sprache im Rahmen von Mehrfachbehinderungen wie z.B. bei Cerebralparese, Syndromerkrankungen (Rett-Syndrom / Down-Syndrom) oder neurologischen Erkrankungen können mehrere Entwicklungsbereiche betroffen sein.

Neben der Entwicklung der Sprache zeigen sich häufig Störungen in den Bereichen Stimmgebung, Schlucken und Sprechmotorik.

Störungen der Stimm- und Sprechfunktion / Rhinophonie

Die Rhinophonie ist eine Störung der Stimm- und Sprechfunktion. Sie äußert sich darin, dass der Stimmklang nasal (verschnupft) klingt bzw. der Luftstrom nicht richtig gelenkt werden kann.

Störungen des Lese- und Rechtschreiberwerbs

Eine Lese-/Rechtschreibstörung (LRS) ist eine Entwicklungsstörung, bei der das Lesen und/oder (Recht)schreiben hinter dem Niveau gleichaltriger Kinder zurückbleibt. Im Folgenden werden einige Merkmale genannt, die auf eine LRS hinweisen:

  • Verlangsamtes und/oder verständnisloses Lesen
  • Leseunlust
  • Verwechslung optisch ähnlicher Buchstaben wie «b»/«d», «p»/«q», «w»/«m»
  • Verwechslung von ähnlich klingenden Buchstaben wie /m/ und /n/
  • Weglassen von Buchstaben und Silben (z.B. «laufn» statt «laufen»)
  • Nichtbeachten von Wort- und Satzgrenzen (z.B. «Ichabe» statt «Ich habe», «Du bis dran» statt «Du bist dran»)
  • Nichtbeachten von Groß- und Kleinschreibung
  • Schreibunlust

Störungen des Redeflusses / Stottern im Kindesalter

Stottern ist eine Störung der Sprechflüssigkeit, bei der es nicht nur gelegentlich, sondern auffallend häufig zu Unterbrechungen im Redefluss kommt.

Es treten vor allem folgende Merkmale auf: Wiederholungen von einzelnen Lauten (/b/b/b/b/b/ Ball…), Dehnungen von Vokalen und/oder Blockaden, d. h. Stimm- und Atemstopps. Darüberhinaus kann es zu körperlichen und emotionalen Begleitsymptomen wie z. B. Mitbewegungen von  Armen, Beinen oder Rumpf, Anzeichen von Anspannung, Tonhöhe- und Lautstärke-Schwankungen oder Flucht- und Vermeidungsverhalten kommen.

Die Merkmale des Stotterns unterscheiden sich recht deutlich von den Auffälligkeiten der entwicklungsbedingten Unflüssigkeiten (treten zwischen dem 2. und 4. Lebensjahr auf), z. B. Wiederholungen von einsilbigen Wörtern (ich-ich-ich…), Wiederholungen von Satzteilen (ich kann-ich kann…), locker, ohne Anstrengung und keine Sekundärsymptomatik.

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